Gastautor/-in, 4. März 2025, 13:25 Uhr

Praxistest: Die Canon EOS R5 Mark II erwischt den Eisvogel im Flug

Markus Eichenberger ist ein erfahrener Canon-Fotograf, führt regelmässig Fotoreisen durch und arbeitet als Auftragsfotograf. Er hatte kürzlich Gelegenheit neben seiner Canon EOS R5 die neue EOS R5 Mark II in den verschiedensten Praxissituationen zu testen. Hier sein Erfahrungsbericht.

Seit fast 20 Jahren fotografiere ich mit Kameras der Canon EOS 5er Serie und empfinde diese als ideale Kameras für alle Arten von Fotografie. Auch die Video Features sind erstklassig und ich liebe es Slow Motion Aufnahmen (mit 120 fps in 4K) aufzunehmen. Momentan benütze ich die Canon EOS R5 für alle meine Fotografie Aufträge und die Reisen. Ich durfte auch schon früher die Canon EOS R5 im Vergleich zur R6 für Fotointern.ch testen (siehe Beitrag) und war von der Qualität der Bilder und Video Aufnahmen beeindruckt. Umso mehr war ich gespannt darauf die neue R5 Mark II unter praxisnahen, schwierigen Bedingungen erproben zu können. Dazu habe ich die Kamera mit auf meine Fotoreise nach Nordnorwegen mitgenommen.

Markus Eichenberger hat die neue Canon EOS R5 Mark II unter extremen Bedingungen in Nordnorwegen getestet

Ich wollte sowohl die Foto- als auch die Video Qualität mit den neuen Features testen, um herauszufinden, ob sich ein Upgrade von meiner bisherigen Canon EOS R5 lohnt. Um die Geschwindigkeit und das Rauschen noch zusätzlich zu testen, ging ich nach der Norwegenreise noch zum Flachsee bei Bremgarten AG. Dieses Naturschutzgebiet ist bekannt für Eisvögel, welche bekanntlich sehr schnell sind und ideal um verschiedene Funktionen der Kamera zu testen. Hier meine Erfahrungen mit der Canon EOS R5 Mark II.

 

Design und Ergonomie

Die Canon EOS R5 Mark II ist die Nachfolgerin der bahnbrechenden EOS R5 und verspricht das Beste aus der spiegellosen Technologie von Canon zu vereinen. Mit einem neuen BSI-Stacked-Sensor, verbesserter Bildstabilisierung (bis zu 8.5 Belichtungsstufen) und erweiterten Videofunktionen richtet sich die Kamera gleichermassen an Fotograf/innen und Videograf/innen.

Auf den ersten Blick ähnelt die R5 Mark II ihrer Vorgängerin. Die Kamera liegt sehr gut in der Hand, und die Tasten sind sinnvoll angeordnet. Neu ist, dass der der Einschaltknopf direkt über dem Drehrad auf der rechten Seite liegt. Und wie man es schon bei der Canon EOS R6 Mark II kennt, wechselt man vom Foto auf den Video Modus mit dem Schalter auf der linken Seite. Dies ist am Anfang etwas gewöhnungsbedürftig, da man als R5 Benützer nicht die Kamera abschaltet, sondern auf Video umstellt. 

Batterie und Akkulaufzeit Mit der R5 Mark II hat Canon auch einen neuen Akku (LP-E6P, rechts im Bild) herausgebracht, welcher über eine längere Laufzeit gegenüber Vorgängerin verfügt. Diese reicht bei moderater Nutzung für etwa 450 Aufnahmen. Die Akkus der R5 sind kompatibel (LP-E6N) mit der R5 Mark II, jedoch nicht die original LP-E6. Mehrere Funktionen sind nur mit dem neuen Akku möglich, wie zum Beispiel die Voraufnahmen von Bildern (Pre-Capture Funktion), HDMI Raw Video und simultan Video und Fotos aufzunehmen. Zum Testen hatte ich nur einen Akku zur Verfügung, was knapp werden kann. Deshalb empfehle ich, mehrere dieser Akkus zu kaufen.

 

Fotografieren mit der Canon R5 Mark II

30 Bilder pro Sekunde: Speziell testen wollte ich die stark verbesserte Serienbildgeschwindigkeit von bisher 20 auf nun bis zu 30 Bildern pro Sekunde im elektronischen Verschlussmodus. In der Praxis zeigte sich, dass der Puffer der Kamera grosszügig dimensioniert wurde, sodass auch bei RAW-Serienaufnahmen keine Verzögerungen auftraten. Diese Leistung eignet sich hervorragend für Action-, Sport- oder Tierfotografie, bei welchen jeder Augenblick zählt, wie beispielsweise bei dieser Aufnahmeserie eines Orca, die ich mit 30 Bilder pro Sekunde realisiert hatte..

 

Rauschverhalten Landschaftsaufnahmen

Nach meinen Praxistests zu urteilen, ist das Rauschen der Kamera nochmals verbessert worden. Hier das Beispiel einer Landschaftsaufnahme in den Fjords von Nordnorwegen: Aus freier Hand vom Schiff aus aufgenommen mit ISO 5000 bei F5.0 und 1/800 Sekunde (Bild anklicken).

 

Zurück in Zürich: Hier das Beispiel zweier Aufnahmen vom Fraumünster mit dem St. Katharinen Turm für ein Projekt mit Zürich Tourismus.

1/125 Sekunde Belichtung bei F8 und ISO 1600 bei 24mm Brennweite, ohne Entrauschen.

30 Sekunden Belichtung bei F16 und ISO 200 bei 24mm Brennweite mit der Entrausch-Funktion in Lightroom.

 

Im folgenden Beispiel habe ich mit beiden Kameras die Brücke bei Bremgarten AG bei Vollmond fotografiert um die Unterschiede im Rauschen zu eruieren, die sich als sehr gering herausstellten. Bei beiden Kameras wurden die Rauschunterdrückungen (hohe ISO und Langzeitbelichtung) ausgeschalten. Belichtung 2 Sekunden bei F16 und ISO 6400.

 

Augensteuerung des Autofokus

Die Augensteuerung des Autofokus ist eine Technologie, welche erstmals bei der Canon EOS R3 eingebaut wurde. Dazu scannt ein Sensor im Sucher das Auge und stellt dort scharf, wo man hinschaut. Dies trägt, zusammen mit dem Augenautofokus für Tiere und Menschen als zusätzliche Hilfe, zur raschen Fokussierung des Objektes bei. Im Bild unten sieht man im Schneegestöber die Schwanzflosse eines Buckelwales. Die Kamera hat trotz sehr schlechten Lichtverhältnissen ein perfektes Bild hingekriegt.

Die Augensteuerung muss zuerst konfiguriert und auf das Auge des Fotografen abgestimmt werden, wozu eine Kalibrierung vorgenommen werden muss. Bei mir hat dies auf Anhieb geklappt, obwohl ich Kontaktlinsenträger bin. Mit der neusten Version soll es sogar auch Brillenträgern möglich sein die Funktion zu nutzen.

 

Pre-capture / Voraufnahme Funktion

Die neue Funktion erlaubt bis zu 15 extra Bilder mit halb gedrücktem Auslöser im Vorlauf aufzunehmen, was in vielen Situationen Gold wert ist. Ob es unverhofft Orcas sind, welche aus dem Wasser auftauchen oder Eisvögel, welche davonfliegen; ich habe damit die Möglichkeit, Szenen zu fotografieren, welche ich bisher verpasst hatte.

Eisvogel am Flachsee, aufgenommen mit Voraufnahme und 30 fps

 

Filmen mit der Canon EOS R5 Mark II

Slow Motion (Zeitlupe) ist ein Bereich, in dem sich sowohl die R5 als auch die R5 Mark II bestens bewähren. Beide Kameras bewältigen Zeitlupe in 4K mit 120 Bildern pro Sekunde in sehr hoher Qualität. Canon hat die Qualität in dem Bereich bei der R5 Mark II nochmals verbessert. Zusätzlich gibt es ein neues Format mit 2K / 240 Bilder pro Sekunde (NTSC Format 240 / PAL ergibt 200 Bilder pro Sekunde). Speziell bei sehr schnellen Bewegungen ist dies für mich eine sehr nützliche Video Einstellung.

Orcas und Buckelwale in Nordnorwegen. Die Zeitlupe ermöglicht es mir einen Moment festzuhalten, welcher normalerweise viel zu schnell abläuft. Mit 500mm Brennweite von Hand Orcas oder Buckelwale zu fotografieren, und dazu noch von einem schwankenden Segelschiff aus, ist nicht immer einfach …

 

Überhitzung der Kamera

Die Canon EOS R5 wurde, als sie auf den Markt kam, förmlich in den Medien zerrissen als eine Kamera, welche schnell bei Videoaufnahmen überhitzte. Dies war in erster Linie bei 8K Videos der Fall, was für meine Arbeiten nie einen Einfluss hatte. Canon hat sehr viel aus jener Kritik gelernt und der Nachfolgerin ein effizientes Lüftungssystem verpasst. Zusätzlich gibt es nun auch eine Warnung, dass die Kamera bei zu hoher Temperatur automatisch abschaltet.

Die EOS R5 Mark II ist mit Lüftungsschlitzen hinter dem schwenkbaren Bildschirm ausgestattet, was auf die Handhabung der Kamera keinen Einfluss hat

Bei meinen Tests habe ich nie das Gefühl gehabt, dass die Kamera ungewöhnlich heiss wurde und ein Überhitzen war auch nach 10 Minuten 8K Aufnahme, siehe unten, nie ein Problem. Ich habe die Kamera bei +2 Grad getestet. Wie das bei über 30 Grad Aussentemperatur aussieht, kann ich zur Zeit noch nicht sagen. Übrigens, neu gibt es bei der R5 Mark II auch kein Limit der Aufnahmezeit mehr, wie dies bei ihrer Vorgängerin mit 29:59 Minuten der Fall war. Gemäss meiner Recherche sollte bei 8K-Filmen eine Aufnahmedauer von bis zu zwei Stunden ohne Überhitzung möglich sein.

 

Fazit

Die Canon EOS R5 Mark II ist eine beeindruckende Weiterentwicklung ihrer Vorgängerin und ich kann sie sehr empfehlen. Sie kombiniert eine sehr gute Bildqualität mit modernster Technologie und eignet sich gleichermassen für anspruchsvolle Fotograf/innen und Videograf/innen. Nach meiner Erfahrung lohnt es sich vom Vorgängermodell auf die neue Kamera zu wechseln. Hier meine Highlights:

Fotografie:
•   Pre-capture /Voraufnahme Funktion: bis zu 15 Bilder vor dem Auslösen aufzunehmen ist in vielen Situationen Gold wert.
•   die Serienbildgeschwindigkeit wurde auf bis zu 30 Bilder pro Sekunde mit elektronischen Verschlussmodus erhöht (Vorgängerin: 20 Bilder).
•   Augensteuerung Technologie, welche erstaunlich gut funktioniert hat. Im Zusammenspiel mit dem Augenautofokus für Tiere oder Menschen führt die neue AF-Technologie zu viel präziserem und schnellerem Fokussieren.
•   herausragende Bildqualität mit neuem (Stacked BSI CMOS-)Sensor. Er bietet eine optimierte Leistung bei schwachem Licht und eine verbesserte Rauschunterdrückung bei hohen ISO-Werten.

Video:
•   Die Kamera unterstützt neu 8K-Aufnahmen mit bis zu 60 Bildern pro Sekunde (Vorgängerin: 30 Bilder pro Sekunde) über eine Zeitdauer von 120 Minuten.
•   neu mit Canon Log 2 für RAW Aufnahmen.
•   Qualität der Zeitlupe in 4K-Aufnahmen mit bis zu 120 Bildern pro Sekunde wurde stark verbessert.
•   neue Möglichkeit 240 Bilder pro Sekunde bei in 2K zu filmen.
•   keine Zeitbegrenzung bei der Aufnahme
•   Das Problem mit der Überhitzung der Kamera wurde gelöst
•   Der Rolling-Shutter-Effekt wurde ebenfalls deutlich reduziert.
•   Verbesserte 8-Stufen-Bildstabilisierung für noch bessere Ergebnisse bei Handaufnahmen.

Allgemein:
•   der Video / Foto Umstellknopf links oben ist für Fotografen der original EOS R5 gewöhnungsbedürftig.
•   die original LP5 Akkus sind nicht kompatibel mit der Canon EOS R5 Mark II und können nicht verwendet werden.
•   die Serienbildgeschwindigkeit von 30 Bildern pro Sekunde wird nur mit dem neuen Akku unterstützt. Man wird mit einer Meldung darauf hingewiesen. Siehe erstes Bild oben.
•   die Kamera braucht schnell SD-Karten, um die Datenmenge zu speichern. Am besten ist es, eine schnelle CFexpress-Karte zu verwenden.
•   Die neue R5 formatiert die CFexpress-Karte gegenüber Vorgängerin mit einer anderen Ordnerstruktur. Die Videos werden neu automatisch in einem separaten Ordner gespeichert. Siehe Screenshots unten. Bei der Benutzung der CFexpress-Karte in einer R5 und R5 Mark II kann es zu Verwirrung führen, wo die Videos gespeichert werden. Die R5 speichert die Videos zusammen mit den Bildern in einem Unterordner von DCIM ab. Empfehlung: die Karten nicht für beide Kameras verwenden.

Alles in allem: Wer bereits eine Canon EOS R5 besitzt und hauptsächlich Landschaftsfotografie betreibt oder nur gelegentlich filmt, für den ist ein Upgrade auf die Mark II nicht unbedingt erforderlich. Für die Action- und Wildlife-Fotografie hingegen lohnt sich aufgrund der neuen Funktionen (siehe oben) der Wechsel zum neuen Modell definitiv.

 

Weitere Informationen zur Canon EOS R5 Mark II: Artikel auf Fotointern, Produkteseite von Canon

Website von Markus Eichenberger: www.ChasingStars.club

 

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