Er lebt seit 30 Jahren in Los Angeles und kehrt fast jedes Jahr in sein Heimatdorf Vrin im Lugnez zurück. Mit dabei ist seine Kamera, mit welcher er seine Eindrücke und das Leben in dieser kargen Bergwelt festhält. So entstehen Erinnerungen für ihn und eindrucksvolle Bildgeschichten für uns.
Dass Verner Soler, der Art Director aus Los Angeles, regelmässig ins Bündnerland und nach Vrin im Lugnez kommt, hat einen ganz bestimmten Grund: Verner ist hier aufgewachsen, hat hier die Dorfschule besucht, hat seinen Eltern beim Heuen, im Stall und im Haus geholfen und hat hier eine glückliche und sorglose Jugendzeit verlebt. Und doch, wie viele Vriner vor ihm, hat es ihn nach draussen in die ferne weite Welt gelockt. Für sechs Monate nach Amerika – ins «Land der unbegrenzten Möglichkeiten», wie man damals sagte. Und daraus sind dann dreissig Jahre geworden. Dreissig Jahre, in denen Verner nicht nur heimwehgedanklich oft «nach Hause kam», sondern auch physisch in seinen Ferien, um den Kontakt zu seinem Dorf, zu seinen Leuten und zu seiner Familie nicht zu verlieren.
«Dieses Buch ist ein Versuch, meine Erinnerungen und Emotionen als Emigrant in einem fotografischen Tagebuch festzuhalten, das über mehr als dreissig Jahre während der Besuche in Vrin entstanden ist» schreibt Verner Soler im einleitenden Text. «Es ist meine Art, mit dem Heimweh umzugehen und die Bindung zum Dorf und zur Familie aufrechtzuerhalten.»
Bei all seinen Besuchen hat Verner immer wieder sein Bergdorf und seine Leute dokumentiert. Mehr als das: Er hat Bilder geschaffen, die ihre Geschichten erzählen – jedes einzelne eine eigene. Und doch passt alles zusammen, ist aus einem Guss, um seine Heimat, wie er sie noch erlebt hat und in seinen Kindserinnerungen behält, auf seine Art zu würdigen. Vrin – ein Bauerndorf, das einmal fast 500 Einwohner zählte – und jetzt noch ein paar mehr als die Hälfte. Wie viele werden es in zehn, zwanzig Jahren noch sein …?
Wer sich die Mühe macht und zwischen den beiden Bildteilen und dem Legendenbund in der Mitte des Buches hin- und herblättert, profitiert enorm von der textlichen Beschreibung der Bilder. Hier kommt vieles über das Brauchtum des Lugnez zum Ausdruck, über die Leute, die hier in Vrin mit viel Fleiss und Arbeit ein dürftiges Einkommen verdienen, auf eine Art und Weise, wie wir es uns kaum vorstellen können.
Verner Soler zeigt es uns. Immer wieder hat er seine Eltern, die Nachbarfamilien und seine Freunde von damals besucht und sie bei ihrer Arbeit, zuhause, im Stall, bei Volksfesten, ja sogar in der Kirche, beim Zvieri oder beim Handwerk, fotografiert. So ist eine Dokumentation entstanden, die für Verner, seine Frau Eva und ihren Sohn Nicolas einen hohen Erinnerungswert hat und die uns das Leben der Bergbauern auf eine besonders authentische Art näherbringt. Bilder, die beeindrucken, die eine Realität aufzeigen, mit der wir uns selten, wenn überhaupt je, auseinandergesetzt haben. Für Verner sind es «Fragmente aus einer anderen Welt» wie er sagt, «die immer meine Heimat bleiben werden».
Für wen ist dieses Buch? Das Buch will uns Geschichten erzählen und uns das Leben in einem Bergdorf vor Augen führen, wie wir es wahrscheinlich nie selbst erleben werden. Das spricht Leserinnen und Leser an, die für die Natur, für die Berg- und Landwirtschaft sowie für die Schönheiten – und auch Probleme – unseres Landes Interesse aufbringen. Weiter ist es ein Leistungsausweis für einen hervorragenden Fotografen, der es versteht, das Wesen und Geist eines unbekannten Bergdorfes in erzählenden Bildern wiederzugeben.
Urs Tillmanns
Buchbeschreibung des Verlages
1990 reiste der im Bündner Bergdorf Vrin aufgewachsene und zum Primarlehrer ausgebildete Verner Soler nach Los Angeles. Aus geplanten sechs Monaten Aufenthalt wurden mehr als 30 Jahre. Soler studierte in Kalifornien Fotografie und Werbegestaltung, gründete eine Familie und wurde Creative Director bei Saatchi & Saatchi, wo er Kampagnen für Weltmarken wie Toyota verantwortet. Trotzdem zieht es ihn regelmässig zurück in das Dorf seiner Kindheit und Jugend, wo seine Familie bis heute lebt. Seine Kamera hat der Fotograf dabei immer mit im Gepäck, um Szenen einer Heimat und Lebensweise festzuhalten. Dieser Bildband zeigt Solers Auseinandersetzung mit den Emotionen eines Emigranten, der wie im Zeitraffer mit den stetigen Veränderungen des Heimatdorfs und seiner Bewohner konfrontiert ist. Seine authentischen, starken Bilder einer ungeschminkten Realität verströmen eine berührend ehrliche Grundhaltung. Zugleich sind sie voller Sinnhaftigkeit und Sehnsucht. Zusammen mit ausführlichen erzählerischen Bildlegenden lässt der Fotograf uns an einem Kraftort teilhaben.
Der Inhalt
Ich bin ein Emigrant
Die Anreise
I 1992-2022
II Bildlegenden
III
Das Dorf
Verner Soler – Über mich
Dank
Impressum
Der Fotograf
Verner Soler, geboren 1968, hat die letzten zwanzig Jahre bei Saatchi & Saatchi in Los Angeles als Art Director gearbeitet. Im Laufe der Jahre hat er einige der denkwürdigsten Arbeiten für Toyota geschaffen. Er hat an vielen Fahrzeugeinführungen mitgewirkt, darunter Prius, Camry, Tacoma und zuletzt beim Supra. In den letzten zwei Jahren hat er Teams aus den Büros in Los Angeles und Dallas zu erfolgreichen Kampagnen geführt. Seit seinen Anfängen als Art Director hat er sich der Fotografie und seit kurzem auch dem Schreiben als Ausdrucksform zugewandt. Beides trägt zu seiner vielseitigen kreativen Qualifikation bei. Seine lange Tätigkeit bei Saatchi & Saatchi LA hat es ihm ermöglicht, einige eigene langfristige Kunstprojekte zu entwickeln.
Bibliografie
Verner Soler «Vrin – Flüchtige Heimat»
Eindrücke des Emigranten während Besuchen in der Heimat
336 Seiten, 153 farbige Abbildungen, Hardcover, Broschiert, Format 21.5 x 29 cm, 2024
Mehrsprachige Ausgabe (Deutsch, Englisch, Rätoromanisch)
Verlag Scheidegger & Spiess, Zürich
Preis: CHF 45.00 / EUR 45,00
ISBN 978-3-03942-201-2
Das Buch kann im Buchhandel gekauft oder direkt beim Verlag bestellt werden.